Teubner, Kurt

Kurt Teubner (1903–1990)

1903 geboren in Aue (heute Aue-Bad Schlema)
1917–1919 Ausbildung an der Königlichen Zeichenschule für Textilindustrie und Textilgewerbe in Schneeberg (Erzgebirge)
ab 1920 künstlerische Betätigung, zunächst Entwürfe für Tapeten, Druck- und Webstoffe
1919–1921 Glasmaler in Chemnitz und Leipzig
1921–1925 Entwurfsarbeiten, Malerei, Gelegenheitsarbeit
1923 Mitglied der KPD
1925–1927 Klischeezeichner und Werbegrafiker in Düsseldorf
1927–1933 Arbeit als Grafiker und Reklamemaler, Erwerbslosigkeit, Gelegenheitsarbeiten
ab 1933 Beginn von Boykott und Diffamierung durch das NS-Regime (Kurt Teubner hatte eine jüdische Ehefrau), Arbeit als Linoleumleger und Gehilfe in Farbengeschäften
1942 Malverbot durch die Reichskammer der Bildenden Künste
1944 Zwangsverpflichtung zum Festungsbau nach Nordfrankreich
ab 1958 ausschließliche künstlerische Tätigkeit als freischaffender Maler
1990 gestorben in Aue (heute Aue-Bad Schlema)

Seine Ausbildung an der Königlichen Zeichenschule für Textilindustrie und Textilgewerbe in Schneeberg musste Teubner vorzeitig aus finanziellen Gründen abbrechen. Im Anschluss wirkte er, unterbrochen immer wieder von Phasen der Arbeitslosigkeit, in vielen Berufen, unter anderem in Chemnitz, Leipzig und in Düsseldorf. Die wechselnden Arbeitsorte brachten ihn in Kontakt mit den künstlerischen Strömungen der Zeit, sein Frühwerk zeugt von expressiven und neusachlichen bis hin zu dadaistischen Einflüssen.
Teubner malte Stillleben, Landschaften – Motive aus dem Erzgebirge, aber auch die Boddenlandschaft, das Meer, die Steilküste von Rügen oder Hiddensee, wie später auch die Industrielandschaft – und Stadtansichten sowie konstruktivistische und kubistische Werke. Die von Boykott, Diffamierung und Malverbot gekennzeichnete Zeit des Nationalsozialismus endete mit der Befreiung im Mai 1945. Bis dahin hatte er sich gemeinsam mit seiner von Deportation bedrohten jüdischen Ehefrau verstecken müssen. In verschiedenen Funktionen wirkte er nun am Neuaufbau in Aue mit, war u. a. Initiator der ersten Nachkriegsausstellung Befreite Kunst im Oktober 1945 in Aue. In dieser Zeit malte Kurt Teubner Die Ungemalten (so der Titel eines seiner Werke von 1947, Neue Sächsische Galerie Chemnitz) und wurde in der frühen DDR auf die Rolle eines proletarisch-revolutionären Künstlers festgelegt. Wie ein Befreiungsschlag emanzipierte ihn in den 1970er Jahren die Hinwendung zu den Assemblagen von diesem Klischee. Mit diesen Werken schuf er ein bemerkenswertes, von geistiger Freiheit zeugendes Spätwerk.
Dank einer großzügigen Schenkung der Erben aus dem Nachlass des Künstlers verfügt die Sammlung Erzgebirgische Landschaftskunst über einen umfangreichen Bestand an Werken aus allen Schaffensbereichen.

Literatur:
Kurt Teubner Ausstellung. Ölbilder, Aquarelle, Pastelle, Graphiken, Plakate, Ausstellungskatalog, Clemens-Winkler-Club Aue, Aue 1971
Leusche, Sabine und Helmar: Das Schaffen von Kurt Teubner, Diplomarbeit, Leipzig 1972
Kurt Teubner zum 70. Geburtstag. Gemälde, Pastelle, Aquarelle, Ausstellungskatalog, Museum der bildenden Künste Leipzig, Leipzig 1973
Hahn, Gerhard: Leben und Werk des Malers Kurt Teubner, Karl-Marx-Stadt 1976
Kurt Teubner, Aue. Collagen, Objekte, Ausstellungskatalog, Klub der Intelligenz Pablo Neruda, Karl-Marx-Stadt, Karl-Marx-Stadt 1980
Kurt Teubner. Collagen und Assemblagen, Ausstellungskatalog, Städtische Museen Karl-Marx-Stadt, Kunstsammlung: Galerie am Brühl, Karl-Marx-Stadt 1983
Kruppa, Karsten: Aus dem Rahmen gefallen? Anmerkungen zum Schaffen von Kurt Teubner, in: Bildende Kunst [Verband Bildender Künstler der Deutschen Demokratischen Republik] 1983, Heft 6, S. 303–305
Fünf Künstler aus der DDR. Hans Brockhage, Gregor-Torsten Kozik, Michael Morgner, Thomas Ranft, Kurt Teubner, Ausstellungskatalog, Neuer Berliner Kunstverein, Berlin 1985, o. S.
Die großen Alten, Teil 1 (Kurt Teubner, Albert Hennig, Fritz Keller, Heinz Tetzner), Ausstellungskatalog, Neue Sächsische Galerie, Chemnitz, Chemnitz 1996, S. 4
Heyer, Holger/Preuß, Heidrun et al.: Kurt Teubner Kunstmaler (1903–1990), in: Aue Beschäftigungsinitiative e. V. (Hg.): Kleine Chronik großer Meister. Erzgebirgler, auf die wir stolz sind, Teil II, Aue 2002, S. 137–140
Industrielandschaft. Westsächsische Industriegeschichte im Spiegel der Kunst, Ausstellungskatalog, Bergbaumuseum Oelsnitz/Erzgebirge, Zwickau 2017, S. 26, Abb. S. 22, 86, 120, 121, 126, 127
Generation im Schatten. Prägende Künstlerinnen und Künstler der 1940er und 1950er Jahre in Chemnitz und seiner umgebenden Region, Ausstellungskatalog, Neue Sächsische Galerie, Chemnitz, Chemnitz 2018, S. 186–199
Teubner, Hannes (Hg.): Kurt Teubner, http://www.kurtteubner.de/ [23.01.2024]

Kurt Teubner: Ohne Titel, 1973, Öl auf Pappe, 45 x 65 cm

Das Gemälde ist 1973 entstanden und trägt keinen Titel. Es zeigt den Ausklang des Winters, einer für das Erzgebirge typischen Jahreszeit. Der vereinzelte Schnee zwischen den Bäumen wirkt schmutzig, das Grün der Wiesen ist noch relativ kraftlos sowie von Ockertönen durchsetzt und in der rechten Bildhälfte ist ein vermutlich aus Schmelzwasser bestehender Bach zu sehen: Es deutet alles auf Tauwetter hin. Wahrscheinlich zeigt das Bild eher einen Teil eines Gartens oder einer Parkanlage als ein Stück Wald. Eventuell begegnete die Situation dem Künstler in seiner Heimatstadt Aue.

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