William Wauer (1866–1962)
1866 geboren in Oberwiesenthal
1884–1887 Kunststudium an den Akademien in Dresden, Berlin und München
ab 1888 in San Francisco, New York, Wien, Rom, Leipzig und Dresden
Arbeit als Zeitschriftenverleger, Kunstkritiker, Redakteur und Illustrator, Leiter der Werbeabteilung der Lingner-Werke Dresden (Odol-Werbung)
ab 1900 zunehmend Tätigkeit am Theater
1912 Beitritt zur Künstlergruppe Der Sturm um Herwarth Walden
ab 1912/1913 Tätigkeit als Filmregisseur (Richard Wagner, 1913; Der Tunnel, 1914–1915; Peter Lump, 1916)
1941 Arbeitsverbot durch die Nationalsozialisten
nach 1945 Dozent an der VHS in Berlin (West) und Vorstandsmitglied des Verbands der Volkshochschuldozenten
1962 gestorben in Berlin
William Wauer war ein Multitalent und, was sein Arbeitspensum betraf, ein Berserker. Nach Studien in Deutschland und den USA wirkte er als Journalist, Werbefachmann, Regisseur und Filmproduzent, Autor und Kunsttheoretiker. Seit 1911 arbeitete William Wauer mit dem Gründer der legendären Berliner Galerie Der Sturm, Herwarth Walden (1878–1941), zusammen. 1918 zeigte er dort zum ersten Mal seine Plastiken. Seine kuboexpressive Porträtbüste Herwarth Waldens von 1917 gehört zu den Ikonen des Expressionismus. 1926 gründete er die Sturm-nahe Künstlervereinigung Die Abstrakten, der er – nach ihrer Selbstauflösung 1934 – im US-amerikanischen Sektor von Berlin 1946 zu einer Neugründung verhelfen wollte, was aber scheiterte. Wauer selbst jedoch war nach wie vor dem Expressionismus verbunden und schuf in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg noch eine ganze Reihe später, expressiver Ölbilder, zu denen auch der Gebirgsbach in der Sammlung gehört. 1946 war William Wauer mit einer seiner Plastiken aus der Sturm-Zeit zur Allgemeinen Deutschen Kunstausstellung nach Dresden eingeladen worden. Mit Gründung der beiden deutschen Staaten und dem beginnenden Kalten Krieg wurde jedoch die bildende Kunst zunehmend zum Schlachtfeld, auf dem ideologische Kontroversen stellvertretend ausgetragen wurden. Weder die Spielarten westeuropäisch-amerikanischer abstrakter Nachkriegskunst noch der sozialistische Realismus nach sowjetischem Vorbild standen in einer Beziehung zum gegenständlichen Expressionismus – sie ließen den Stil des Künstlers historisch erscheinen. Ehrungen, die William Wauer spät noch zuteilwurden, meinten keinen gegenwärtigen Akteur, sondern einen Altmeister der Kunst.
Literatur:
Beloubek-Hammer, Anita: Die schönen Gestalten der besseren Zukunft. Die Bildhauerkunst des Expressionismus und ihr geistiges Umfeld, Bd. 1, 2, Köln 2007
Hammer, Klaus: William Wauer. Ein Propagandist europäischer Avantgarde, in: Bildende Kunst 1990, Heft 3, S. 56–59
Wauer, William: Das Körperliche in der Plastik, in: Walden, Herwarth (Hg.): Expressionismus. Die Kunstwende, Berlin 1918, S. 44–48
Wauer, William: Realismus, Impressionismus und Expressionismus, in: Das Wissen um den Expressionismus. Führer durch die Ausstellung der Abstrakten, Ausstellungskatalog, Große Berliner Kunstausstellung im Landesausstellungsgebäude am Lehrter Bahnhof, Berlin 1926, S. 5–7
William Wauer. Skulpturen und Gemälde, Ausstellungskatalog, Skulpturenmuseum Glaskasten, Marl, Basel 1979
William Wauer. Malerei und Plastik, Ausstellungskatalog, Galerie am Markt, Annaberg-Buchholz, Pfarrkirche Oberwiesenthal, Annaberg-Buchholz 1991
William Wauer und der Berliner Kubismus. Die plastischen Künste um 1920, Ausstellungskatalog, Georg Kolbe Museum, Berlin, Edwin Scharff Museum, Neu-Ulm, Köln 2011